Freitag, 28. Januar 2022
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Ein Park zu Ehren Jacob Teitels

Lebendige Geschichte am Standort der Waldorfschule in Berlin-Mitte

Das Engagement der Freien Waldorfschule Berlin-Mitte wird belohnt: Der Park an ihrem Standort erhält im Rahmen eines Festakts am 4. Juni 2021 den Namen von Jacob Teitel, um die Erinnerung des Viertels als Zentrum jüdischen Lebens in Berlin aufrecht zu erhalten. 

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„Jacob Teitels Vision war eine Gesellschaft, in der Solidarität und Empathie über Stigmatisierung und Ausgrenzung siegen. Dafür hat er gelebt und gewirkt, das ist auch unser großes Anliegen. Und deshalb wollen wir heute auch ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus setzen,“ eröffnet Reinhard Braun, Geschäftsführer der Freien Waldorfschule Berlin-Mitte, die feierliche Namensgebung des benachbarten Parks. 

Seit mehr als fünf Jahren hat sich die Schule intensiv mit der bewegten Geschichte ihrer direkten Nachbarschaft befasst. In zahlreichen Projekten erarbeiteten, erlebten und studierten Schüler die Geschichte jüdischen Lebens im sogenannten Scheunenviertel. So auch die Jacob Teitels (1850 – 1939), des politischen Flüchtlings und Vorsitzenden des Verbandes russischer Juden (1920 – 1935). 

Im Juni 1923 gründete Teitel eine Kindergruppe, um mittellosen Kindern zu helfen. Er war der Meinung, dass es besonders wichtig ist, dass sich Kinder aus verschiedenen Ländern und Gesellschaftsschichten, aber auch verschiedener Religionen anfreunden. Was als ein Beitrag der Nächstenliebe des damals bereits 71-jährigen begann, entwickelte sich in wenigen Monaten schnell zu der Vereinigung Kinder-Freunde. Im Hause des Berliner Unternehmers und Philanthropen Hermann Abraham in der Gormannstrasse 3 fanden sich regelmäßig sonntags bis zu 150 Kinder und Jugendliche zu gemeinsamen Treffen. Der Verein wuchs rasch, und bereits zwei Jahre nach seiner Gründung hatte er 324 Mitglieder aus 34 Berliner Schulen, die sich um Lebensmittelpakete für Geflüchtete, Treffen und Austausch und Bildungsformate für Kinder und Jugendliche kümmerte. 

Die Schulgemeinschaft der Freien Waldorfschule-Mitte war so beeindruckt von der Geschichte ihres Standortes, dass sie sich gemeinsam mit Partnern und Verbänden engagieren, die Erinnerung des Viertels als Zentrum jüdischen Lebens in Berlin aufrechtzuerhalten. In enger Zusammenarbeit mit der Kultur- und Sozialwissenschaftlerin und Teitel Expertin Dr. Elena Somlinski wurde das Vorhaben des Jacob-Teitel-Parks geplant und umgesetzt. 

Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für Jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, lobt in seinem Grußwort: „Insbesondere Frau Dr. Solominski und Herrn Braun ist es zu verdanken, dass an diesem Ort Geschichte lebendig gehalten wird, die für unsere Gegenwart von großer Relevanz ist.“ 

Ilan Kiesling, Pressesprecher der jüdischen Gemeinde zu Berlin, führt aus: „Die Kinder der Schule haben sich mit der Geschichte des Platzes befasst. Sie haben sich der hehren Aufgabe angenommen, das reichhaltige Erbe Teitels zu bewahren und sichtbar zu machen.“ Er fügt an, wie stolz und glücklich Jakob Teitel gewesen wäre zu sehen, wie die Kinder an diesem Platz heute leben können. „Der Park wird wachsen. Er wird ein großartiger Begegnungsort für Kinder, ein Ort für viele Ideen und Projekte und Jakob-Teitel wird seinen Lebensweg weiter fortsetzen und Kinder und Jugendliche beflügeln.“ 

„Es ist für uns ein wirklich ganz besonderes Anliegen, die Vision dieses bedeutenden Wohltäters zu ehren,“ freut sich Christoph Doll, Leiter des Seminars für Waldorfpädagogik Berlin. Er ist Initiator des Projekts Waldorf im Zentrum, das der Kultur Raum und Zeit geben wird, damit Studierende und Interessierte sich künstlerisch erproben, singen, tanzen und schauspielern können. Dazu wird an diesem geschichtsträchtigen Standort ein neues Gebäude geplant. Waldorfpädagogik wird sich so an diesem Ort zeigen können, wie sie vom Kern her ist: weltoffen, divers, sozial, künstlerisch und in stetiger Transformation begriffen. 

Jüdisches Leben in Deutschland 

Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschland. Aus diesem bedeutenden Anlass haben sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und wichtige Institutionen zusammengeschlossen, um dieses Ereignis unter der Leitung eines eigens gegründeten Vereins zu begehen. Unter dem Namen #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland werden bundesweit rund tausend Veranstaltungen ausgerichtet. Ziel des Festjahres ist es, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarkenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen. 

Waldorf im Zentrum

In Berlin-Mitte in der Gormann/Weinmeister Straße wird ein Zentrum für Waldorf entstehen. Waldorfpädagogik ist Begegnungspädagogik. Als prozesshaft dialogische Erziehung zur Freiheit in der Welt bedarf sie eines Ortes, der Austausch begünstigt: im Schulalltag, in der Lehrerausbildung, im Studium und um sich offen, aktiv und diskursiv am aktuellen Leben in unserer Gesellschaft zu beteiligen. Die zentrale Lage in Berlin-Mitte bedeutet einen Imagegewinn für die gesamte Waldorfbewegung. Mit dem neuen Gebäude im Zentrum der Hauptstadt soll zu Austausch und Begegnung eingeladen werden. In variabel nutzbaren Räumen und einem multifunktionalen Saal soll Waldorfpädagogik sichtbar werden und sich als ihrem Wesen nach weltoffen, multikulturell, sozial und künstlerisch zeigen. Hier wird Kultur und Kreativität gefördert und animiert zum aufeinander Zugehen und Weiterdenken. www.waldorf-im-zentrum.de

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