Donnerstag, 2. Dezember 2021
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Digitalisierung in der Bildung – „Ein Sprung ins kalte Wasser“

Die Digitalisierung der Bildung in Deutschland ist pandemiebedingt ein Stück vorangekommen. Allerdings hinken wir im internationalen Vergleich oftmals hinterher, da die Schulen noch nicht genügend mit digitaler Technik ausgestattet sind. Am 21. und 22. Oktober befasst sich die 29. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) an der Universität Leipzig mit diesem Brennpunktthema. Unter dem Titel „Bildung in der digitalen Transformation“ stellen dabei Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz neue Forschungsergebnisse und Praxislösungen für das Lehren und Lernen im digitalen Raum vor.

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Herr Prof. Wollersheim, inwieweit hat die Pandemie das Thema digitale Bildung vorangeracht? Wo steht Deutschland hier im internationalen Vergleich?
Vor der Pandemie war das Lernen mit digitalen Medien nur an sehr wenigen Schulen in Deutschland wirklich integraler Unterrichtsbestandteil. Länder wie beispielsweise Dänemark oder Estland gelten hier als Vorreiter. Durch die Pandemie sind viele Lehrkräfte hierzulande nun erstmals mit digitalen Werkzeugen und Medien im Unterrichtskontext wirklich in Berührung gekommen. Für viele sicher ein Sprung ins kalte Wasser. Ob dieser Impuls aber zu nachhaltigen Veränderungen in der Unterrichtspraxis führen wird, muss sich noch zeigen. Dazu haben wir noch keine Daten.

Auf welchen Gebieten gibt es hier den größten Nachholbedarf?
Eigentlich überall. Die technische Ausstattung ist an vielen Schulen mangelhaft. Oft scheitert es schon am schnellen Internetzugang. Damit ist es aber bei weitem nicht getan. Vor allem fehlt es an guten und leicht zu implementierenden Unterrichtskonzepten, die die Stärken digitaler Medien wirklich ausspielen und die hohen Investitionen in Technik und Lernmittel damit auch rechtfertigen.

Sind die Lehrkräfte überhaupt genug befähigt worden, mit digitaler Technik im Unterricht umzugehen?
In der Breite eher nicht. Die Lage ist sehr unterschiedlich: An manchen Schulen sind manche Lehrpersonen durchaus auf der Höhe der Zeit. An vielen anderen Schulen fehlt die Infrastruktur, und nicht wenige Lehrpersonen sind von der Ad-hoc-Digitalisierung im Zuge von Corona kalt erwischt worden. Das ist nachvollziehbar: Weder im Lehramtsstudium noch in der Weiterbildung ist die Digitalisierung bisher ein wirkliches Schwerpunktthema gewesen. In der Breite gibt es also viel Nachholbedarf.

Muss sich hier auch etwas in der Ausbildung von Lehrern ändern?
Lehramtsstudierende konnten zu lange an der Digitalisierung ‚vorbeistudieren‘. Bereits vor der Pandemie ist das Thema als Aufgabe in der Lehrerbildung erkannt worden, aber es gibt bislang nur Modellprojekte. Aus meiner Sicht genügt das allerdings noch nicht. Die Digitalisierung müsste als Querschnittsthema betrachtet und damit insgesamt viel stärker als selbstverständliche, zeitgemäße Unterrichtspraxis in allen Fächern in allen Bereichen der Lehramtsausbildung im Studium erlebbar werden.

Was sollte die neue Bundesregierung Ihrer Ansicht nach zuerst in Angriff nehmen, um die digitale Bildung voranzubringen?
Der Bund hat mit dem Digitalpakt Schule bereits 5 Milliarden Euro für digitale Infrastruktur bereitgestellt und diese im Zuge der Pandemie noch einmal um 1,5 Milliarden aufgestockt. Diese Mittel wurden aber bis jetzt kaum abgerufen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Mit diesem Thema befasst sich auch die Tagung „Bildung in der digitalen Transformation“ an der Universität Leipzig. Was sind aus Ihrer Sicht die inhaltlichen Schwerpunkte?
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellen auf der Tagung neue Forschungsergebnisse und Praxislösungen für das Lehren und Lernen im digitalen Raum vor, wobei der Fokus ganz klar auf Hochschullehre liegt. Eine Besonderheit der Tagung ist die Kooperation mit dem Forschungsverbund tech4comp. Das von Leipzig aus koordinierte Cluster aus 8 Forschungseinrichtungen erforscht und entwickelt Lösungen für KI-gestützte Mentoringprozesse und ist mit insgesamt sechs Beiträgen auf der Tagung vertreten.

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