Sonntag, 27. November 2022
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Entrepreneurship Education: Kreative Problemlösung als Schulwissen

Ein Interview mit Entrepreneurship-Professor Dr. Sven Ripsas von der HWR Berlin.

Am 8. Dezember war Tag der Bildung, eine Initiative des Stifterverbands. Das Thema Bildung soll ins öffentliche Bewusstsein gerückt, gesellschaftliche Diskussionen angeregt werden. Folgend ein Interview mit Prof. Dr. Sven Ripsas, Professor für Entrepreneurship an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin). Er setzt sich für mehr ökonomische Bildung, vor allem für die Förderung des „entrepreneurial mindsets“ in Schulen ein und plädiert für die Einführung eines Schulfachs „Wirtschaft“ und Entrepreneurial Education.

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Herr Prof. Ripsas, was genau fehlt in der Schule?
Deutschland gehört innerhalb der EU in Sachen Entrepreneurship Education zu den Schlusslichtern, da es trotz der Erfolge der sozialen Marktwirtschaft eine unerklärliche Skepsis unter Lehrern gegenüber Marktprozessen gibt. Es fehlt ein positives Narrativ. In Deutschland denken viele beim Thema Entrepreneurship (auf Deutsch: Unternehmergeist), nur an Geld und Männer. Dabei zielt die moderne Entrepreneurship Education auf alle Schüler und hat das kreative Problemlösen als Mittelpunkt. Ökonomie, Ökologie und Digitalisierung müssen vernetzt gedacht werden. Sozial Unternehmer sind genauso Vorbilder wie Technologiegründer.

Warum ist es wichtig, mehr Wirtschaft als bisher im Lehrplan zu verankern und anders als im Fach „Wirtschaft, Arbeit, Technik“?
Ich möchte die jungen Menschen ertüchtigen, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Unabhängigkeit ist für uns alle ein wichtiges Lebensgefühl. Nicht vom Staat oder dem Arbeitgeber abhängig zu sein, sondern das zu tun, was ich besonders mag und gut kann, eröffnet mir eine positive Lebenseinstellung und ein hohes Selbstwertgefühl. Entrepreneurship Education ist Empowerment und ermöglicht reale Teilhabe.

Weshalb gehört das für Sie zum notwendigen Alltagswissen?
95 Prozent der deutschen Bildungspolitiker und bestimmt auch 95 Prozent der Medienvertreter und Eltern ist der Unterschied zwischen Entrepreneur und Kapitalist unbekannt. Dabei sehen sie fast täglich, wie Menschen mit Kreativität und Idealismus und wenig Kapital Unternehmen gründen und Produkte und Dienstleistungen schaffen, von denen wir sehr häufig profitieren. Eine Unternehmensgründung ist eine Herkulesaufgabe, umso mehr, als die ökologische Nachhaltigkeit des neuen Unternehmens im Jahr 2021 eine wichtige Rolle spielt.

Sie sind ehrenamtlicher Vorsitzender des Network for Teaching Entrepreneurship in Deutschland. Was bringen Sie Lehrern bei?
Wir helfen den Pädagogen, Entrepreneurship als Prozess des Entdeckens zu verstehen. Es geht nicht um Kostenreduzierung und Ausbeutung, sondern die kreative und sparsame Nutzung von Ressourcen und neuen Technologien, darum, unseren Lebensstandard zu erhalten. Social Entrepreneurship ist dabei eine fantastische Brücke, denn hier geht es vor allem um das Gemeinwohl. Social Entrepreneurship ist genauso wichtig, wie das gewinnorientierte Startup, das dann die Steuern zahlt, um Sozialunternehmen zu ermöglichen.

Prof. Ripsas, ich danke Ihnen für das Gespräch. 

Das Interview führte Sylke Schumann, Pressesprecherin der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.

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