Samstag, 13. August 2022
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Wie ist es um die deutsche Sprache bestellt?

Wissenschaftler untersuchen die Entwicklung der deutschen Sprache an Schulen.

Wie ist es um die deutsche Sprache in den Schulen bestellt? Bisherige wissenschaftlich fundierte Antworten, etwa von Großstudien wie PISA oder DESI, zielen auf repräsentative, eng umschriebene Zustandsbeschreibungen. Sie erfassen nur wenig von der Dynamik, der Veränderung und der Arbeit an der Sprache, die ja gerade das Aufgabenfeld der Schule ist. Der heute veröffentlichte Bericht der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften untersucht genau das.

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Dazu Prof. Dr. Helmuth Feilke (Justus-Liebig-Universität Gießen), einer der beiden Projektleiter: „Die Schule ist das gesellschaftliche Sprachlabor der Schriftlichkeit. Mit sprachwissenschaftlichen Methoden gehen die Studien des Berichts in diese Werkstatt. Es gibt vielfältige Einblicke in die Arbeit der Schülerinnen und Schüler an der Bildungssprache. Grundlagen werden schon in der Familie gelegt. Lehrerinnen und Lehrer spielen eine wichtige Rolle und das prägt auch den mündlichen Sprachgebrauch. Ein Teil der Studien – etwa zur Großschreibung in der Grundschule oder zur Kommasetzung im Abitur – bezieht auch historische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte mit ein. Dabei geht es nicht ums Messen und Testen – vielmehr ist die ´Sprache im Werden´ die Leitidee und besondere Perspektive des Berichts“. 

Welchen Teil der Sprache betrachtet der Bericht?

Der Bericht gliedert sich nach einer Einleitung in drei Teile mit jeweils drei bis vier Studien. Im ersten Teil wird untersucht, wie das Elternhaus, und wie Lehrerinnen und Lehrer den schulischen Erwerb der Bildungssprache beeinflussen, aber auch wie die Schülerinnen und Schüler selbst am Zusammenhang ihrer Texte arbeiten. Der zweite Teil des Berichts geht dann ein auf grammatische Strukturen, den Wortschatzerwerb, den Erwerb komplexer Nominalgruppen und die Rechtschreibung mit Großschreibung und Kommasetzung. Der dritte Teil des Berichts informiert zu vielfach auch öffentlich kontrovers diskutierten Teilfragen: zum schulischen Handschreiben, zur Digitalisierung von Lernangeboten und der Rolle des Internet für schulisches Lernen sowie zum Erwerb des Deutschen als Zweitsprache in der Schule.

Sprachforschung muss gefördert werden

Zu den Resultaten erklärt die Projektleiterin Prof. Dr. Ursula Bredel (Stiftung Universität Hildesheim): „Die Schule fördert den Auf- und Ausbau bildungssprachlicher Fähigkeiten. Das gelingt dann besonders gut, wenn die familialen Voraussetzungen gegeben sind, wenn die Schule herausfordernde Aufgaben stellt und die Lehrkräfte als gute Sprachmodelle fungieren. Dies alles sehen wir eher in den Gymnasien und nur bedingt in den anderen Schularten. Unter historischer Perspektive haben Grundschüler mit Gymnasialempfehlung heute einen größeren Wortschatz und flexiblere Ausdrucksmöglichkeiten, während die Sicherheit in der Rechtschreibung eher zurückgegangen ist. Eine große Herausforderung der Gegenwart ist die Digitalisierung. Entscheidend ist, dass Schülerinnen und Schüler auch weiter zwischen bildungssprachlichen und auf den Alltag abgestellten Gebrauchskontexten unterscheiden. Zur Förderung eines bildungsgerechten Ausbaus der Sprachfähigkeiten appellieren wir an die Bildungspolitik, die schulbezogene Sprachforschung und die Sprachförderung weiter zu stärken.“

Die Berichte zur Lage der deutschen Sprache liefern wissenschaftsbasierte Aufklärung über den Zustand der deutschen Sprache Sie werden von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften herausgegeben. Der Erste Bericht erschien 2013 unter dem Titel „Reichtum und Armut“, der Zweite Bericht 2017 zum Thema „Vielfalt und Einheit“ der deutschen Sprache.

Das Thema Sprache ist und bleibt hochaktuell

Prof. Dr. Edwin Kreuzer, Präsident der Union der Akademien der Wissenschaften: Auch mit dem Dritten Bericht zur Lage der deutschen Sprache haben die Akademienunion und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung wieder ein hochaktuelles Thema in der deutschen Sprachdiskussion aufgegriffen. Wir möchten hiermit wissenschaftlich fundierte Informationen liefern und diese nicht nur der Fachwissenschaft, sondern der Gesellschaft insgesamt und vor allem auch bildungspolitischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern zur Verfügung stellen.  

Prof. Dr. Ernst Osterkamp, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung: Die Klagen über den Stand der sprachlichen wie literarischen Bildung an den Schulen gehören zur Begleitmusik nahezu aller kultur- und bildungspolitischen Debatten. Die Entwicklung sprachlicher Fähigkeiten ist eine zentrale Aufgabe der Schule, ihr Erfolg entscheidet mit über Lebenschancen und gesellschaftliche Teilhabe. Umso überraschender war, dass für die notwendigen bildungspolitischen Reaktionen auf die Herausforderungen von Mehrsprachigkeit oder Digitalisierung nur wenige fundierte Orientierungen vorliegen. Dieser „Dritte Bericht zur Lage der deutschen Sprache“ macht einen Anfang, indem er Erkenntnisse zur Situation der sprachlichen Bildung in den Schulen zusammenführt und Wissenslücken und damit Aufgaben für die Weiterarbeit benennt. 

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