Sonntag, 5. Dezember 2021
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Vom sterben der Atolle

Fläche tropischer Atolle hat sich in den letzten 20 Jahren vergrößert

Im August 2021 titelte die FAZ (1): Pazifik-Inseln im Klimawandel: „Wir sind der Gnade der internationalen Gemeinschaft ausgeliefert“. Das Zitat stammt vom früheren Ministerpräsidenten von Tuvalu, Apisai Ielemia. Der aktuelle Amtsinhaber, Kausea Natano, macht sich ähnlich große Sorgen: „Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Anstieg des Meeresspiegels weiterhin den Kern unserer Existenz, unserer Staaten, unserer Souveränität, unserer Menschen und unserer Identität bedroht“.

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Es ist richtig, dass der Meeresspiegel jedes Jahr um weniger Millimeter ansteigt. Aber wieviel Fläche ist auf den Atollen des Pazifiks und Indiks bereits verlorengegangen? Eine Forschergruppe um Andrew Holdaway von der University of Auckland hat diese Frage nun beantwortet (2). Auf Basis von hochauflösenden Satellitenbildern untersuchten die Wissenschaftler 221 Atollen im pazifischen und indischen Ozean für den Zeitraum 2000 bis 2017. Das Resultat überraschte das Forschertrio. Denn die Inselfläche war gar nicht geschrumpft. Im Gegenteil, die Atolle legten insgesamt sogar um knapp 62 Quadratkilometer zu, ein Zuwachs von mehr als 6 Prozent. Größenmäßig entspricht dies mehr als zweimal der Fläche von Tuvalu.

Zuwachs unabhänig vom Bauboom

Der größte Zuwachs wurde dabei auf den Malediven sowie im Südchinesischen Meer festgestellt. Im Zuge von großen Bauprojekten wurden hier Inseln stark erweitert. So enstanden im Urlaubsparadies im Nord-Malé-Atoll neue Inselfläche von gleich neuneinhalb Quadratkilometern. Die Inselzuwächse im Südchinesischen Meer hingegen stehen wohl eher im Zusammenhang mit aktuellen Territorialkonflikten. Lässt man die großen Bauprojekte auf den Malediven und im Südchinesischen Meer außen vor, verbleibt noch immer ein Flächenzuwachs der Atolle von knapp 20 Quadratkilometern.

Die Forscher betonen, dass sich die Inselfläche der Pazifik- und Indik-Atolle in den letzten 20 Jahren nicht verringert hat, und das trotz Klimawandel und Meeresspiegelanstieg. Die Studie erschien im März 2021 im Fachblatt „Anthropocene“ (2). Weshalb die FAZ nicht über die Untersuchung berichtete, ist unklar. Ebenso wenig ist bekannt, ob die Ergebnisse dem politischen Führungspersonal von Tuvalu bekannt sind. Auf den Malediven scheint man weniger Angst vor dem Meeresspiegel zu haben du kennt sich offenbar mit schweren Baumaschinen besser aus. Oder man kennt dort einfach die richtigen Studien. Auf den Malediven haben 2021 gleich 14 neue Hotelkomplexe eröffnet (3).

Dieser Artikel ist ein Teil der Folge 68 der Klimaschau von Dr. Sebastian Lüning. Die Klimaschau informiert über Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende. Weitere Themen im Video: Windkraft - Windschatten reduziert den Wind-Ertrag, Verkehrswende - Kommentar zur Verkehrswende von K. H. Richardt 

Quellenverzeichnis
(1) FAZ: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-energie-und-umwelt/pazifikinseln-im-klimawandel-verheerende-folgen-der-erderwaermung-17479008.html
(2) Holdaway et al. 2021: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2213305421000059
(3) Hotel-Neueröffnungen auf den Malediven: https://www.dreamingofmaldives.com/maldives-blog/maldives-new-and-upcoming-resorts-in-2021/

Dr. Sebastian Lüninghttp://www.luening.info/
Dr. Sebastian Lüning ist habilitierter Geowissenschafler und publiziert regelmäßig in klimawissenschaftlichen Fachzeitschriften. Als Gutachter wirkte er an den IPCC-Berichten SR15, SROCC und AR6 mit. Zusammen mit Fritz Vahrenholt schrieb er die Bücher „Unerwünschte Wahrheiten: Was Sie über den Klimawandel wissen sollten“ und „Unanfechtbar: Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz im Faktencheck”. Auf Youtube präsentiert Lüning zweimal wöchentlich die Nachrichtensendung „Klimaschau“.

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