Samstag, 13. August 2022
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StartGesellschaftEthik und Nachhaltigkeit in der Digitalisierung - Paradoxon oder Selbstverständlichkeit?

Ethik und Nachhaltigkeit in der Digitalisierung – Paradoxon oder Selbstverständlichkeit?

Viele Führungskräfte stellen sich zurzeit zwei zentrale Fragen: Einerseits, wie Unternehmen ökologische und soziale Verantwortung integrieren sollen; anderseits, wie sie mit digitalen Veränderungen umgehen sollen. Meist wird die erste Frage als eine moralische und die zweite als eine strategische Frage gesehen – dabei sind sie miteinander verzahnt, so Dr. Ali Aslan Gümüsay, Leiter der Forschungsgruppe Innovation, Entrepreneurship & Gesellschaft am Humboldt Institut für Internet & Gesellschaft.

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Mit steigender Komplexität nachhaltig umgehen lernen

In der sogenannten VUCAP-Welt (ein Akronym für volatile, uncertain, complex, ambiguous und paradoxical) können Unternehmen auf zwei Arten mit steigender Komplexität umgehen. Sie können einerseits versuchen, sie zu reduzieren oder andererseits Mitarbeitende befähigen, mit ihr umzugehen. Nur letzteres ist eine nachhaltige Strategie, da sie ermöglicht, mit nicht zu vermeidenden Zielkonflikten zwischen „People, Planet und Profit“ umzugehen.

Weniger Digitalitäts- und mehr Digitalisierungsstrategie

Statt passivem digitalen Wandel braucht es eine aktiv gesteuerte digitale Wende. Viele Unternehmen wagen zwar mehr Digitalität, aber nicht mehr Digitalisierung. Die Nutzung von digitalen Werkzeugen allein reicht nicht aus. Vielmehr müssen Geschäftsmodelle, Organisationspraktiken und Arbeit neu gedacht werden. Basistechnologien wie Künstliche Intelligenz sind kein Add-on – sie transformieren Unternehmensstrategien und -prozesse. Diese potentielle Disruption ist dabei auch eine Chance, Arbeit sozialer und Wirtschaften nachhaltiger zu gestalten.

Führung via und von Technologie

Führung via Technologie bedeutet, dass Technologien verstärkt als Zwischenmedium wirken. Führungskräfte müssen also lernen, mit und durch sie zu kommunizieren. Das zeigt insbesondere die Corona-Krise, in der sich mit dem Homeoffice auch das Umfeld, in dem Führung erlebt wird, geändert hat. Das Homeoffice ist primär Home und sekundär Office. Das Private wird notgedrungen ins Berufliche eindringen. Führungskräfte müssen das respektieren. Sie müssen Verantwortung übernehmen, damit das Berufliche das Private nicht verdrängt. Führung von Technologie wiederum bedeutet, dass Technologien zentralere, aktivere Rollen einnehmen werden. Eine Künstliche Intelligenz muss also geführt werden können. Im Übrigen sind Führungskräfte nicht von der Transformation ausgeschlossen, wie bspw. die Koordination von Uber-Fahrer*innen durch KI zeigt. Man kann hier von programmierter Führung sprechen. Diejenigen, welche Programme schreiben und absegnen, praktizieren damit eine Führung zweiten Grades. Auch das wird zunehmen – und muss sozial und ökologisch gedacht und programmiert werden.

Dr. Gümüsay ist einer von über 170 VHB experts des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). Mit rund 2.800 Mitgliedern ist der Verband eine wachsende, lebendige Plattform für wissenschaftlichen Austausch, Vernetzung und Nachwuchsförderung in allen Bereichen der BWL und darüber hinaus.

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