Samstag, 29. Januar 2022
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Rasante Inflation bereitet zunehmend Sorgen

norisbank Umfrage zeigt: Deutsche angesichts der Inflation vielfach ratlos und besorgt

Hohe Inflation, niedrigste Zinsen und die Auswirkungen des zweiten Pandemiejahres: All diese Entwicklungen haben zunehmend Einfluss auf das aktuelle Sparverhalten und die Sorgen der Deutschen. Die repräsentative Umfrage im Auftrag der norisbank zeigt, dass im Jahr 2021 nur noch 60,5 Prozent der Befragten genauso viel oder mehr gespart haben als im Vorjahr – hier zeigt sich über die letzten Jahre offenbar ein Trend und aktuell der niedrigste Stand seit 2018 (2020: 63,8 Prozent, 2019: 62 Prozent, 2018: 60,4 Prozent).

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Dennoch bleibt Sparen in bestimmten Altersgruppen hoch im Kurs. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Befragung der norisbank. Demgemäß sind besonders fleißige Sparer derzeit die 18- bis 29-Jährigen: 44,6 Prozent geben an, dass sie 2021 mehr gespart haben als im Vorjahr (42,9 Prozent, 2019: 43,1 Prozent; 2018: 43,9 Prozent). Auch die ältere Generation zwischen 60 und 69 Jahren spart wieder mehr. Rund 23,1 Prozent der Befragten haben mehr Geld zur Seite gelegt als im Jahr 2020 (18,5 Prozent, 2019: 19,3 Prozent, 2018: 16,5 Prozent). Bemerkenswert in dem Kontext: Dennoch sparten 39,5 Prozent der Deutschen insgesamt weniger als noch im Jahr 2020. 

Generell scheint die Coronakrise jedoch für einige Deutsche beim Umgang mit ihrem Geld ihren Schrecken zu verlieren: Nur noch jeder vierte Mann (26,5 Prozent, 2020: 38,2 Prozent) gibt an, aufgrund der Pandemie Vorsicht walten zu lassen und das eigene Geld beisammenzuhalten. Bei den Frauen ist hingegen ein leichter Anstieg zu verzeichnen (35,7 Prozent, 2020: 33,3 Prozent). Das Niedrigzins-Rekordniveau hingegen taugt seit der Pandemie offenbar immer weniger als Anreiz für mehr Konsum und mehr Ausgaben: Nur noch knapp jeder Fünfte (17,2 Prozent, 2020: 18,1 Prozent, 2019: 32,8 Prozent, 2018: 35,7 Prozent) ist durch die historisch niedrigen Zinsen motiviert, Geld auszugeben, statt zu sparen. 

Sorge vor Inflation groß

Die aktuelle Befragung zeigt, dass ein Thema in kurzer Zeit eine besondere Bedeutung erhält: die gerade in 2021 stark steigende Inflation. So sorgen sich allgemein derzeit 63,1 Prozent der Befragten aufgrund der hohen Inflation um ihr Geld, ziehen daraus aber bislang noch keine konkreten Konsequenzen für ihr Ausgabe- und Anlageverhalten. Vielleicht ist das Thema der steigenden Inflation für viele Deutsche noch frisch und der Umgang mit der Inflation nicht vertraut genug. Bedenkt man den starken Anstieg der Inflation zuletzt, die aktuellen Prognosen sowie die zunehmende Medienpräsenz des Themas, ist ein entsprechender Einfluss auf das Verhalten der Deutschen sicherlich zu erwarten. 

„Betrachtet man die Ergebnisse unserer aktuellen Umfrage, so lässt sich daraus schließen, dass die Inflation scheinbar bislang eher mit steigenden Lebenshaltungskosten in Zusammenhang gebracht wird und weniger mit der realen Geldentwertung“, erklärt Thomas große Darrelmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der norisbank. „Dabei bedeuten fast fünf Prozent Inflation auch, dass das Ersparte schon nach einem Jahr spürbar weniger wert ist.“ Sollte sich die hohe Inflation länger halten, kann dies für Sparer durchaus schmerzhafte Kaufkraftverluste bedeuten.

„Die Größenordnung der Bedeutung lässt sich anhand eines Beispiels recht einfach verdeutlichen: So verlieren 50.000 Euro Ersparnisse bei fünf Prozent Inflation nach nur einem Jahr bereits 2.500 Euro an Geldwert beziehungsweise Kaufkraft. Eine solche Inflation über zwei oder drei Jahre kann dann schon ein echter Sorgentreiber für viele sein. Denkt man an mögliche Effekte auch auf den Geldwert der Altersvorsorge und von Renten, so wird die besondere Bedeutung einer hohen Inflation noch greifbarer. Hier ist sicherlich die Politik gefordert. Aber auch die Sparer sollten alternative Anlagemöglichkeiten prüfen und gegebenenfalls überlegen, zeitnah die eine oder andere bedeutende Anschaffung zu tätigen.“ 

Schaut man in diesem Kontext auf den Status Quo, so zeigt die Umfrage, dass aktuell nur etwas mehr als jeder Fünfte (22,3 Prozent) versucht, aktiv die Effekte der Inflation auszugleichen und sich zunehmend mit anderen Anlagemöglichkeiten auseinandersetzt. In der Gruppe der 50- bis 59-Jährigen bereitet die Inflation sogar fast drei von vier Befragten Sorgen (71,9 Prozent). Dennoch suchen aktuell nur 17,8 Prozent nach alternativen Investitionsmöglichkeiten, um gegen die Inflationseffekte zu arbeiten. Es wäre nicht überraschend, wenn sich diese Werte schon bald deutlich ändern, sollten sich den Sparern valide Alternativen zeigen. Auch vielen der 18- bis 29-Jährigen bereitet die Inflation schon Sorgen (57,5 Prozent). Aber auch in dieser Gruppe ist ein erheblicher Teil bezüglich des Umgangs mit der Inflation noch ratlos. So hält, das zeigen die Befragungsergebnisse, derzeit nur rund jeder Vierte der Jüngeren nach Optionen Ausschau, aktiv dagegenzusteuern (28 Prozent). 

Jeder siebte Deutsche (14,6 Prozent) entscheidet sich im Umgang mit der Inflation aktuell gegen das Sparen oder Geldanlagen und gibt sein Geld aus. Die ältesten Befragten zwischen 60 und 69 Jahren sind dabei die mit Abstand aktivste Gruppe. Mehr als jeder Vierte von ihnen gibt aktuell sein Geld lieber aus (26 Prozent). Die Sorge vor der Inflation ist bei dieser Gruppe am geringsten (53,8 Prozent). 

Misstrauen in Geldanlagen verzeichnet Rückgang

Eine weitere auffällige Entwicklung zeigt sich in den Befragungsergebnissen möglicherweise als Folge des extremen Niedrigzins-Niveaus und des Booms an den Börsen: Die Einstellung zu Wertpapieren und anderen Anlageoptionen wird deutlich positiver. Während im Jahr 2020 14,1 Prozent der Befragten, die mehr Geld gespart haben, kein Vertrauen in Anlagen wie Aktien hatten, sind es aktuell nur noch 12,4 Prozent. Vor allem bei den Männern geht das Misstrauen stark zurück: 2018 hatte fast jeder Vierte (24 Prozent) kein Vertrauen in Anlagen wie Aktien – heute ist es nur noch jeder Zehnte (10 Prozent). Dieser Trend wird gegebenenfalls auch durch die zunehmende Kenntnis über Wertpapiere verstärkt. So gab im Jahr 2018 noch fast jeder vierte Sparfuchs (23,2 Prozent) an, sich nicht mit Anlage- und Investitionsmöglichkeiten auszukennen – drei Jahre später sind es nur noch 13,7 Prozent. 

Es wird deutlich: Niedrigzins und Inflationsrate sind derzeit besondere Themen, die die Deutschen beeinflussen. Vielleicht scheint die Suche nach attraktiven Anlagealternativen gerade im Kontext der Börsenentwicklung auch das Misstrauen vieler Menschen in Anlage- und Investitionsmöglichkeiten abzuschwächen. Aktuell erscheint der Anteil der Sparer, die sich mit der Inflation auseinandersetzen und bereits aktiv ihr Sparverhalten geändert haben, noch relativ gering zu sein. Es ist bei anhaltender Inflation aber durchaus zu erwarten, dass sich dies noch signifikant ändert. 

Über die Umfrage
Die norisbank hat zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Innofact AG 1.030 Personen ab 18 Jahren bevölkerungsrepräsentativ nach Alter und Geschlecht befragt. Die Online-Befragung wurde Ende Oktober 2021 durchgeführt.

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