Donnerstag, 2. Dezember 2021
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Unser Umgang mit Geschichte oder der „Wert der Vergangenheit“

Leibniz-Forschungsverbund erforscht sich wandelnden Stellenwert der Vergangenheit in Geschichte und Gegenwart

Ob Denkmalstürze oder Restitutionsforderungen, Debatten um den Epochencharakter des Anthropozäns als Zeitalter des Menschen oder die Auswirkungen des Verlusts von Biodiversität: Die Auseinandersetzung um den „Wert der Vergangenheit“ nimmt einen immer größeren Raum in der gesellschaftlichen Debatte ein. Mit einem neuen Forschungsverbund schaffen 21 Leibniz-Institute und Leibniz-Forschungsmuseen zusammen mit weiteren internationalen Partnern nun einen gemeinsamen Ort für historische und museale Grundlagenreflexion. Sie wollen in den kommenden vier Jahren den sich wandelnden Stellenwert der Vergangenheit in Geschichte und Gegenwart erforschen

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Welche historischen Ereignisse oder Personen erachten wir in der Gegenwart als wichtig und warum sind sie für uns von Bedeutung? Wird eine Beschäftigung mit der Geschichte überhaupt als bedeutsam erachtet oder orientieren wir uns eher nach vorne in Richtung Zukunft? Was erhoffen wir uns von einem Blick in die Vergangenheit? Der neue Leibniz-Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit“ untersucht, welchen Wert Gesellschaften ihrer Vergangenheit beimessen. Er analysiert Wertbildungsprozesse ebenso wie Wertekonkurrenzen im Umgang mit Geschichte. Auf diese Weise soll ein differenziertes Verständnis für frühere und gegenwärtige Praktiken des Bewertens, Umwertens, Aufwertens, Entwertens und Verwertens von Vergangenheit gewonnen werden. Erforscht wird damit auch der Orientierungswert der Vergangenheit für Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart.

Vergangenheit aufleben lassen durch Digitale Medien

Der Sprecher des neuen Leibniz-Forschungsverbundes und Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Prof. Dr. Martin Sabrow erklärt: „Die Vergangenheit ist in den letzten Jahren zu einer ebenso lebhaft nachgefragten wie heftig umstrittenen Ressource in den Deutungskämpfen der Gegenwart geworden. In einer durch globale Transfers, Re-Nationalisierungstendenzen, neue digitale Medien geprägten und von Glaubwürdigkeitskrisen durchzogenen Gegenwart haben Bezüge auf die Vergangenheit signifikant an öffentlicher Wertschätzung gewonnen und sich zugleich zu einem Kampfplatz der Identitätsbildung entwickelt.“

In drei interdisziplinär arbeitenden Research Hubs untersucht der Forschungsverbund erstens, wie in Medien, Museen und Archiven historische Evidenz hergestellt wird. Er erforscht zweitens, wie unterschiedliche Vorstellungen von Raum und Zeit Geschichtsbilder, Erinnerungskultur als auch unser Verständnis von Umwelt und Natur prägen. Und er reflektiert drittens den Wert der Vergangenheit als öffentliche Ressource für die politische Meinungsbildung bis hin zur Bewältigung von Konflikten und Transformationsprozessen.

„Wert der Vergangenheit“ in deutschen, europäischen und globalen Dimensionen

Der Forschungsverbund nimmt den „Wert der Vergangenheit“ in deutschen, europäischen und globalen Dimensionen in den Blick. Schwerpunkte der Forschungen liegen neben dem deutschsprachigen Raum insbesondere auf Ost- und Ostmitteleuropa sowie auf dem Nahen Osten, Süd- und Südostasien. Epochenübergreifend ausgerichtet setzt er Schwerpunkte im 19. und 20. Jahrhundert.

Der Leibniz-Forschungsverbund verbindet 21 Leibniz-Institute und Leibniz-Forschungsmuseen sowie zahlreiche internationale Kooperationspartner aus den Geschichts-, Kultur- und historisch arbeitenden Sozial- und Umweltwissenschaften. Darüber hinaus kooperiert er mit Institutionen aus verschiedenen Anwendungsfeldern, von Museen, Sammlungen und Archiven über Gedenkstätten bis hin zu Akteuren im Bereich der Public History. Der Verbund wird vertreten durch seinen Sprecher Prof. Dr. Martin Sabrow, Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), und den Wissenschaftlichen Koordinator Dr. Achim Saupe (ZZF).

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