Samstag, 29. Januar 2022
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Kindliche Hirntumoren – Stiefkinder der Forschung

Interview mit Hirntumorforscher Professor Dr. Ulrich Schüller anlässlich des Welthirntumortags am 8. Juni 2021

Obwohl bösartige Hirntumoren zu den zweithäufigsten Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zählen, sind viele Tumoren nach wie vor kaum erforscht und bis heute schwer therapierbar. Häufig fehlt das Wissen über ihre Biologie – eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung erfolgreicher Therapieansätze. Professor Ulrich Schüller vom Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg erforscht gezielt die molekularen Entstehungsmechanismen kindlicher Krebserkrankungen, um neuen, innovativen Therapien den Weg zu ebnen.

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Professor Schüller: Wie viele Kinder erhalten pro Jahr die Diagnose Hirntumor und welche Ursachen gibt es?
„Hirntumoren sind die zweithäufigsten Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter. In Deutschland erhalten rund 500 Kinder jährlich die niederschmetternde Diagnose. Hirntumoren zeichnen sich häufig durch ein aggressives Verhalten aus und führen dazu, dass immer noch zu viele Kinder hieran versterben oder lebenslang mit den schwerwiegenden Nebenwirkungen einer Tumortherapie zu kämpfen haben. Die genauen Ursachen sind noch ungeklärt. Genetische Faktoren werden als mögliche Ursache diskutiert.“ 

Warum sind Hirntumore die Stiefkinder der Forschung?
„Kindliche Hirntumoren stellen uns vor große Herausforderungen und zeigen uns bislang noch Grenzen in der Patientenversorgung auf. Sie zeichnen sich durch eine enorme biologische Heterogenität aus, viele verschiedene Arten mit unterschiedlichsten Lokalisationen im Gehirn, die in verschiedenen Entwicklungsstadien entstehen und die teilweise noch nicht erforscht sind. Das macht die Diagnostik und damit die Therapie extrem schwierig. Zudem gibt es viele Tumoren, die anatomisch so schwer erreichbar sind, dass eine vollständige Entfernung nicht möglich ist bzw. zu gefährlich wäre. 

Es besteht großer Bedarf einer verstärkten Erforschung kindlicher Hirntumoren, um diese besser zu verstehen und in der Konsequenz Substanzen zu identifizieren oder zu entwickeln, die das Tumorwachstum bremsen. Das ist keine leichte Aufgabe. Sie erfordert Hintergrundwissen zu Biologie und Onkologie, technische Kenntnisse und Fähigkeiten, Fleiß und Ausdauer, aber auch eine räumliche, personelle und finanzielle Ausstattung, die moderne Forschung am Puls der Zeit möglich macht.“ 

Mehr zur Forschung

Mehr über die Forschung von Professor Schüller, über das Behandlungsnetzwerk HIT-MED sowie Erfahrungsberichte betroffener Familien gibt es in der Mitgliederzeitschrift DER SCHMETTERLING, die kostenlos über die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum angefordert werden kann (buero@kinderkrebs-hamburg.de) oder digital auf der Webseite www.kinderkrebs-hamburg.de zur Verfügung steht (Ausgabe 135).

Krebs bei Kindern

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 2.000 Kinder bis zu ihrem 18. Lebensjahr an Krebs, davon 140 in Hamburg und Umgebung. Dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten können heute schon circa 80 Prozent der erkrankten Kinder geheilt werden. Ziel in den nächsten Jahren ist es, diese Erfolge weiter zu steigern, Nebenwirkungen zu verringern und die Spätfolgen von Erkrankungen und Therapien zu reduzieren. Krebs ist die häufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Blutkrebs (Leukämien), Hirntumoren und Tumoren des Lymphgewebes sind, bei älteren Kindern auch Weichteil- und Knochentumoren, die häufigsten Krebsarten. Der Behandlungszeitraum einer Therapie kann bis zu drei Jahre dauern.

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