Sonntag, 5. Dezember 2021
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Gehirnerschütterung: Neue Klinik für Kinder und Jugendliche

In der Concussion Clinic am LMU Klinikum München wird eine spzielle Versorgung angeboten

Fast 115.000 stationäre Krankenhausaufenthalte von Kindern und Jugendlichen waren im Jahr 2019 in Deutschland auf eine Kopfverletzung zurückzuführen, meist eine Gehirnerschütterung – auch als Concussion oder leichtes Schädelhirntrauma (SHT) bezeichnet. In der Concussion Clinic am Dr. von Haunerschen Kinderspital (Pädiatrie & Kinderchirurgie) bietet das LMU Klinikum eine spezielle Versorgung für Kinder und Jugendliche mit Gehirnerschütterung an.

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Akute Symptome wie Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit oder Konzentrationsdefizit klingen meist binnen zwei Wochen ab. Doch bei ca. zehn Prozent der Betroffenen halten die Beschwerden länger als zwölf Wochen an, bei ca. fünf Prozent bis zu einem Jahr oder länger. Neben den körperlichen Beschwerden leiden Betroffene häufig an Einschränkung von Leistungsfähigkeit, Denk- und Erinnerungsvermögen sowie Ängsten, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen, langfristig kann dies zu Schwierigkeiten im gesamten familiären System und der sozialen Teilhabe führen.

„Eine komplexe Thematik, die in der Kinder- und Jugendmedizin noch keine adäquate Beachtung findet“, betont die Ärztin und Neurowissenschaftlerin Dr. Michaela Bonfert. „Wir nehmen uns dieses wichtigen Gesundheitsthemas am LMU Klinikum München in der Concussion Clinic für Kinder & Jugendliche an.“

Klinische Versorgung und Forschung zur Gehirnerschütterung

Dr. Bonfert leitet diese Modelleinrichtung zum kindlichen Schädelhirntrauma am Dr. von Haunerschen Kinderspital. Das Konzept umfasst klinische Versorgungsstruktur und Forschungsplattform. Hier werden pädiatrische, kinderchirurgische und kinderneurologische Kompetenz gebündelt, multiprofessionell, interdisziplinär, multimodal. Ein frühes standardisiertes Screening nach Schädel-Hirn-Traumata in allen Altersstufen von 0 bis 18 Jahre stellt die klinische Säule dar.

Die Kinderneurologin Dr. Bonfert: „Wir wollen die biologische Auswirkung des Schädelhirntraumas im psychosozialen Kontext des einzelnen Patienten verstehen, eine Risikokonstellation für einen langwierigen Verlauf frühzeitig erkennen und mit maßgeschneiderter Beratung und innovativen Therapieangeboten reagieren.“

Patienten werden im integrierten Sozialpädiatrischen Zentrum nachversorgt

Die Patienten werden in enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Kinderchirurgischen Klinik (Prof. Dr. Oliver Muensterer, PD Dr. Alexandra Fröba-Pohl, Dr. Anne-Sophie Holler) betreut: pro Jahr ca. 600 Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Nach dem stationären Aufenthalt können die Patienten das erweiterte Nachsorgeangebot in der Concussion Complex Sprechstunde im integrierten Sozialpädiatrischen Zentrum der Kinderklinik (iSPZ Hauner, Direktor Prof. Dr. Prof. h.c. Florian Heinen) wahrnehmen. Der Aufbau und die stetige Weiterentwicklung dieser interdisziplinären Versorgungsstruktur sind durch die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung und den Hauner Verein e.V. ermöglicht worden.

In enger Zusammenarbeit mit cBRAIN (Leitung Prof. Inga Koerte, u.a. durch den European Research Council (ERC) geförderte Studie NEUROPRECISE) entstand in der Concussion Clinic eine Studienplattform, die mittels der neuesten Methoden klinische Forschung im Bereich der pädiatrischen Gehirnerschütterung ermöglicht.

Wissen über kompliziert verlaufende Gehirnerschütterung verbessern

Dr. Bonfert: „Ein zentraler Aspekt unserer Forschung sind Marker, die den Schweregrad der Hirnfunktionsstörung sensitiv und spezifisch erfassen, sowie eine Vorhersage über den zu erwartenden Verlauf ermöglichen können. Langfristig angelegte Studien sind auf Grund der hohen Zahl betroffener Kinder und Jugendlicher dringend notwendig. Alle Erkenntnisse fließen direkt in die Erarbeitung und Weiterentwicklung evidenz-basierter Clinical Pathways ein. Ein zentrales Anliegen ist uns, das Bewusstsein für und Wissen über kompliziert verlaufende Gehirnerschütterungen zu verbessern.“

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