Freitag, 12. August 2022
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Naturmedizin bei Patienten und Ärzten beliebt

Ärztliche Weiterbildung bedarf noch der Optimierung

Aktuelle Studie belegt Popularität von Naturheilverfahren und Phytopharmaka, zeigt aber auch Defizite in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten. Naturheilverfahren genießen in Deutschland hohes Ansehen: Demzufolge besteht seitens der Ärzte ein hohes Interesse an Therapien mit Naturheilmitteln und auch die Nachfrage der Patienten nach klassischen Naturheilverfahren und pflanzlichen Arzneimitteln ist groß. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die jetzt vom Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) vorgestellt wurde.

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Für die unter der Federführung von Professor Dr. Jürgen Wasem erstellte Studie haben Mitarbeiter des Instituts für Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft der Universität Duisburg-Essen (IBES) 101 Ärztinnen und 284 Ärzte befragt. Unter den Befragten waren 248 Allgemeinmediziner, 72 Orthopäden und Unfallchirurgen und 65 Onkologen/Hämatologen, der überwiegende Teil (80,47%) von ihnen niedergelassen.

Ziel der vom Komitee Forschung Naturmedizin geförderten Studie war es, zu untersuchen, inwieweit das Wissen über Therapien mit Naturheilmitteln in der universitären und beruflichen Ausbildung der Ärzte vermittelt wird, wie viele Ärzte diese Therapien auch praktizieren und wie sie das Interesse ihrer Patienten an diesen Therapien einschätzen.

Die Ergebnisse der im angesehenen Fachjournal „Gesundheitsökonomie & Qualitätsmanagement“ (https://doi.org/10.1055/a-1308-2605) publizierten Studie sind eindeutig:

  • Zwei von drei Ärzten halten Therapien mit Naturheilmitteln für wesentlich für die tägliche Versorgung ihrer Patienten.
  • Mehr als 70 Prozent der Ärztinnen und Ärzte bieten diese Therapien für ihre Patienten an.
  • Als besondere Vorteile der Behandlungen werden vor allem die geringen Nebenwirkungen genannt, gefolgt von der Unterstützung von Selbstheilungsprozessen und der ergänzenden Wirkung bei konventionellen Therapien.
  • 65,2 Prozent der Befragten berichten über eine hohe Nachfrage der Patienten nach diesen Therapien.
  • 74,3 Prozent der Ärztinnen und Ärzte geben an, dass ihre Patienten, wenn möglich, eine naturmedizinische Behandlung einer konventionellen Therapie vorziehen würden.

Die positive Bewertung der naturmedizinischen Therapien wächst unverkennbar mit der beruflichen Erfahrung der Mediziner: Während Ärzte unter 30 Jahren den Therapien mit Naturheilmitteln nach eigenen Angaben neutral gegenüberzustehen, erfahren diese Verfahren bei Ärzten der Altersgruppe 50 bis 59 Jahren die höchste Wertschätzung. Das ist umso bemerkenswerter, da diese Ärztegeneration während ihrer universitären Ausbildung noch keine Pflichtvorlesung auf dem Gebiet der Naturheilverfahren zu absolvieren hatte.

Das Autorenteam um Professor Dr. Jürgen Wasem förderte allerdings auch deutliche Defizite in der Aus- und Weiterbildung der Ärzte zutage:

  • Es besteht eine deutliche Inhomogenität in der ärztlichen Ausbildung. Die Anzahl der an den deutschen Universitäten angebotenen Wahlpflichtfächer variiert zwischen 1 und 6, mit einem arithmetischen Mittel von 1,95 Wahlpflichtkursen pro Universität. Am häufigsten gelehrt wird das Fach Phytotherapie.
  • Die Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren wird von den zuständigen Ärztekammern der Bundesländer vergeben. Die jeweiligen Voraussetzungen können allerdings voneinander abweichen.
  • Manchem Arzt sind zudem die Unterschiede zwischen den Begriffen „Zusatz-Weiterbildung“ und „Fortbildung“ nicht bewusst. Das führt nicht zuletzt zu Unklarheiten über die Abrechnungsmöglichkeiten für die Therapieverfahren bei der gesetzlichen Krankenversicherung, die durch eine Zusatz-Weiterbildung erworben werden.

Zur Optimierung der Versorgungsqualität mit naturmedizinischen Therapien empfehlen die Essener Wissenschaftler mit Nachdruck, die Wissensgrundlagen der Ärzte zu stärken. Sie befürworten eine Verdichtung der Lehrinhalte, eine damit einhergehende Verkürzung der Dauer der Zusatz-Weiterbildungen, sowie die Reduzierung derer Kosten. Diese Maßnahmen würden dazu führen, dass sich mehr Ärzte naturheilkundlich weiterbilden. Verbunden mit einer stimmigen und plausiblen Honorierung könnte so eine bessere Versorgungsqualität erreicht werden.

Wünschenswert wäre laut Studienautoren außerdem die flächendeckende Einrichtung von naturheilkundigen Lehrstühlen oder Instituten mit dem Ziel, die fachbezogene Forschung voranzutreiben und eine bundesweit vergleichbare und qualifizierte Lehre dieser Behandlungsmethoden sicherzustellen.

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