Donnerstag, 27. Januar 2022
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Würzburger Dom: Blick über 1000 Jahre zurück

Ein neues Buch bietet erstmals eine umfassende Gesamtdarstellung der Geschichte des Würzburger Doms im Mittelalter. Es ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

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Stammt der Würzburger Dom aus dem 12. Jahrhundert? Oder haben die Arbeiten an dem Bauwerk doch schon im 11. Jahrhundert begonnen? Es mag überraschen, aber diese Frage lässt sich tatsächlich nicht eindeutig beantworten. „Die Quellenlage ist allgemein bei romanischen Bauten sehr dünn“, sagt Dr. Johannes Sander. In dieser Zeit seien Verträge häufig mündlich geschlossen worden, schriftliche Zeugnisse seien dementsprechend rar. Allerdings sei der Würzburger Dom „ein extremes Beispiel für diese schlechte Quellenlage“, so Sander. Originale Urkunden und Texte zu dessen Baugeschichte finden sich in größeren Mengen erst ab dem Ende des Mittelalters ab etwa 1500.

Baubeginn im 11. Jahrhundert

Und trotzdem ist Sander davon überzeugt, dass die Arbeiten am Dom von Würzburg bereits im mittleren bis späten 11. Jahrhundert begonnen haben. In einem neuen Buch erklärt er, wie er zu diesem Schluss gekommen ist, und stellt darin detailliert die Baugeschichte des Würzburger Doms im Mittelalter vor. Das Buch, das gleichzeitig seine Habilitationsschrift im Fach Kunstgeschichte ist, ist jetzt im Echter Verlag erschienen.

Johannes Sander hat Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik an den Universitäten in Würzburg und Wien studiert und sich schon früh mit Architektur beschäftigt. So wurde er 2012 mit einer Arbeit über den Kirchenbau des 19. Jahrhunderts in Bayern promoviert. Das jetzt vorgelegte Buch ist im Rahmen eines vom Bistum Würzburg geförderten Forschungsprojektes entstanden, das unter der Leitung von Wolfgang Weiß stand, Professor für Fränkische Kirchengeschichte und Kirchengeschichte der neuesten Zeit an der Universität Würzburg.

Der Würzburger Dom, ein einzigartiges Bauwerk in Deutschland

Es bietet erstmals eine umfassende Gesamtdarstellung der Geschichte des Würzburger Doms im Mittelalter. Auf Basis eingehender Quellenstudien und detaillierter Bauanalysen wird die Kathedrale aus ihren späteren Überformungen herausgeschält und in ihrer ursprünglichen Gestalt rekonstruiert. Ein weit ausgreifender architekturhistorischer Vergleich dient der Datierung wesentlicher Teile der Bischofskirche ins 11. Jahrhundert, die bislang stets umstritten war. Erst dadurch wird der besondere Rang des Würzburger Domes deutlich: als eine der größten und bedeutendsten Kirchen ihrer Zeit.

Etwa 110 Meter lang, im Querhaus ca. 60 Meter breit und knapp 26 Meter hoch: „Für das 11. Jahrhundert ist der Würzburger Dom ein enorm großes Bauwerk“, sagt Johannes Sander. Und ein beinahe einzigartiges noch dazu: Die großen gotischen Kathedralen, wie beispielsweise der Kölner Dom, waren noch ferne Zukunftsmusik. Aber auch vergleichbare romanische Kirchenbauten, wie man sie in Worms und Speyer findet, seien damals noch nicht so weit gewesen. Im Gegenteil: „Der Chor des Würzburger Doms war von Anfang von einem Gewölbe mit einer Spannweite von 13 Metern überdacht“, sagt Sander. In Speyer wollte man eine ähnliche Deckenform bauen, sei aber an statischen Problemen gescheitert, wie historische Quellen zeigen.

Fotos aus der Nachkriegszeit als wichtige Quelle

Durch hohe Stapel historischer Quellen hat sich der Kunsthistoriker Sander im Laufe dieses Forschungsprojekts hindurchgearbeitet, immer wieder hat er den Dom besucht und das Mauerwerk bis in den letzten Winkel unter die Lupe genommen. Hilfe bei seiner Suche nach den Ursprüngen hat er allerdings auch von unerwarteter Stelle bekommen: von Helmut Schulze, dem technischen Leiter beim Wiederaufbau des Doms nach dem Zweiten Weltkrieg. Schulze selbst hatte 1991 eine Monographie zur mittelalterliche Baugestalt des Würzburger Doms veröffentlicht. Diese sei aus kunsthistorischer Sicht allerdings nicht wirklich befriedigend, so Sander. Deutlich hilfreicher sei hingegen Schulzes Nachlass gewesen. In diesem stieß Sander auf jede Menge Fotos aus der Renovierungszeit, die es ihm ermöglichten, den Zustand im 11. Jahrhundert weitgehend zu rekonstruieren.

Wem jetzt die Zeit fehlt, Sanders 800-Seiten-Werk zu lesen, dem steht demnächst eine Alternative zur Verfügung: ein Kurzfilm, in den wesentliche Erkenntnisse der Forschungsarbeiten eingeflossen sind. Mittels spektakulärer Rekonstruktionen des Darmstädter Büros Architectura Virtualis GmbH wird darin die mittelalterliche Kathedrale wieder anschaulich gemacht.

Der Öffentlichkeit vorgestellt werden der Film – und natürlich auch das Buch – am Montag, 11. Oktober, im Burkardushaus in der Zeit von 19:00 bis 20:30 Uhr. Wegen der starken Nachfrage findet die Veranstaltung zusätzlich online statt. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.

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