Samstag, 13. August 2022
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StartKunst & KulturDie Gemäldesammlung Eduard Weber

Die Gemäldesammlung Eduard Weber

Glanzvoll und doch von Alfred Lichtwark verschmäht

Das ist einzigartig: ein junger Hamburger Kaufmann geht nach Südamerika, hat dort Erfolg im Salpetergeschäft, kehrt in seine Heimatstadt zurück, wird zum Gemäldesammler und erweitert sein Wohnhaus um eine öffentlich zugängliche eigene Gemäldegalerie.

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1856 gründete Eduard Weber (1830-1907) die Firma Weber, Münchmeyer & Co. in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso. Ab 1861 unter dem Namen Weber & Cia. geführt, entwickelte sie sich zu einem der bedeutendsten Handelshäuser für Salpeter – mit wiederum großen Auswirkungen auf den Umschlag im Hamburger Hafen. Nach seiner Rückkehr in die Hansestadt 1862 erwarb Weber in den folgenden Jahren die größte deutsche Privatsammlung Alter Meister im Kaiserreich. Diese umfasste 354 Werke – darunter Gemälde von Rembrandt, Hals, Mantegna, Palmezzano, Cranach, und Tizian. 

Die Kunsthistorikerin Martina Sitt erzählt vom Leben Eduard Webers, dem Stellenwert Hamburgs als Kunststadt im Kaiserreich, aber auch vom kurzsichtigen Umgang mit unvergleichlichen Bilderschätzen. Sie porträtiert eine außergewöhnliche Sammlerpersönlichkeit, erläutert die Motive Webers bei der Vervollständigung und Präsentation seiner Sammlung und dessen Rivalität mit Alfred Lichtwark, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Webers Sammlung ergänzte deren Gemäldebestand bestens. Dies irritierte Lichtwark, der seine Institution als Garant für eine öffentliche Präsentation von dem, was die Kunst der Jahrhunderte ausmachte, betrachtete. Warum also nach Webers Tod Geld für Werke ausgeben, die Partikularinteressen spiegelten, den Geschmack eines Einzelnen, der sich nicht einmal hauptberuflich damit beschäftigte? 

Eduard Weber hatte testamentarisch festgelegt, seine Gemäldesammlung für Hamburg zu sichern. Doch es kam anders: Die Stadt Hamburg wollte die geschätzten 2,5 Mio. Reichsmark für den Erwerb nicht ausgeben. Und so kam Webers Sammlung unter den Hammer, die Bilder wurden in zwei Tagen „durchgeklopft“. Nur 10 Prozent der Werke blieben in Hamburg – die anderen hängen heute in den großen Museen der Welt, in New York, Boston, Paris oder Budapest. 

Buch:
Martina Sitt, Vom Salpetergeschäft zum Sammlerglück. Die Gemäldesammlung Eduard F. Weber – glanzvoll und doch verschmäht, Mäzene für Wissenschaft, Neue Folge; Bd. 4 (Hg. von Ekkehard Nümann für die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung), 161 S., 57 farb. Abb., geb., Schutzumschlag 19,90 Euro 

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