Donnerstag, 2. Dezember 2021
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Literatur aus Frankreich entdecken

Universität Koblenz-Landau startet Literaturportal zur Gegenwartsliteratur

Molière, Sartre, Flaubert oder Camus – die Namen der großen Literaten Frankreichs kennt ganz Deutschland. Aber welche Perlen gibt es in der französischen Gegenwartsliteratur zu entdecken? Das neu gestartete Literaturportal „france2000“ der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau rückt mit Rezensionen, Essays und Interviews die zeitgenössische Literatur und aktuelle kulturelle Debatten unseres Nachbarlands in den Fokus. Hinter der Website steckt das Team um Romanistikprofessor Dr. Gregor Schuhen. Das Portal entsteht im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts.

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„Französische Gegenwartsliteratur ist seit einigen Jahren auch in Deutschland wieder überaus beliebt“, bekräftigt Literaturwissenschaftler Schuhen. „Denn die zeitgenössischen Autorinnen und Autoren unseres Nachbarlands haben vor allen anderen europäischen Ländern die soziale Wirklichkeit für sich als Thema neu entdeckt und damit den Zeitgeist getroffen“. So porträtiert Gegenwartsliteratur aus Frankreich insbesondere die gesellschaftlichen Missstände, die der neoliberalistischen (Wirtschafts-)Politik geschuldet sind. „Wir sehen hier eine Rückkehr zur Klassenfrage und zur sozial engagierten Literatur, die im Nachbarland auf eine lange Tradition zurückblickt“, so Schuhen.

In Frankreich hat unter anderem der Soziologe Pierre Bourdieu einen regelrechten „Boom“ der Klassenfrage in den Sozialwissenschaften ausgelöst. Autoren wie Didier Eribon, Édouard Louis oder Annie Ernaux stellen ihren intellektuellen Klassenaufstieg soziologisch reflektiert dar und bedienen sich dabei der Instrumente von Bourdieu. Aber auch französische Erfolgsschriftsteller wie Michel Houellebecq, Virginie Despentes oder Leïla Slimani legen ihren Texten ein stark soziologisches Interesse zugrunde. Der Einfluss Bourdieus auf die Geistes- und Sozialwissenschaften wie auch das literarische Feld ist Gegenstand von Schuhens aktuellem Forschungsprojekt „Bourdieus Erben. Zur Rückkehr der Klassenfrage in der französischen Gegenwartsliteratur“, das die DFG über drei Jahre bis März 2024 fördert.

Von Literatur-Experten für Liebhaber der französischen Wortkunst

Das Literaturportal „france2000“ entsteht im Rahmen dieses DFG-Projekts. Die Texte stammen aus den Federn des Teams Literaturwissenschaft der Romanistik am Campus Landau. Perspektivisch sollen Gastautoren sowie Studierende eingebunden werden. Mit dem Portal will die Landauer Romanistik ihre Begeisterung für französische Literatur mit einem breiten Publikum teilen. Drei Rubriken umfasst der Literaturblog: Die „Nouveautés littéraires“ behandeln Neuerscheinungen aus Frankreich oder deren Übersetzungen ins Deutsche. Neben Kurzrezensionen des Projektteams zu literarischen Texten und Sachbüchern, gibt es hier auch Verlinkungen zu externen Rezensionen und Verlagsankündigungen. Die Sparte „Essais & Entretiens“ fokussiert die Trends, Debatten und Persönlichkeiten der Literatur- und Kulturszene. Es gibt Essays zu wissenschaftlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Phänomenen, sowie Interviews mit Akteuren aus dem kulturellen oder akademischen Bereich. In der dritten Rubrik treten Studierende in Aktion.

Studentische Perspektive ab dem Wintersemester

Ab dem kommenden Wintersemester sollen Landauer Studierende der Romanistik aktiv in den Blog eingebunden werden. In einer eigenen Rubrik „EEE Espace Étudiant.e.s École“ werden Literaturstudium und studentische Projekte vernetzt. Das Ziel: Studierende sollen gleichzeitig Frankreich entdecken und das Land und seine Kultur der Öffentlichkeit vermitteln. Mit dem Blog erhalten die angehenden Französischlehrkräfte die Möglichkeit, eigene kreative Projekte aus literaturwissenschaftlichen Seminaren einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

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