Samstag, 29. Januar 2022
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Rainer Maria Rilke: Der Panther

Der Panther (Untertitel: Im Jardin des Plantes, Paris) ist ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, das zwischen 1902 und 1903 entstand. In drei Strophen wird ein hinter Gitterstäben gefangener Panther beschrieben, wie er in der Menagerie im Pariser Jardin des Plantes ausgestellt wurde.

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Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Der Panther gilt als das berühmteste Gedicht Rilkes. Das Tier wird in drei Strophen von seiner äußeren Erscheinung (Blick, Gang, Auge) beschrieben, um sein Inneres zu erschließen.

Der Entzug der Freiheit wird in der ersten Strophe durch den schleppenden Rhythmus ausgedrückt. Schon hier wird klar, dass für den Panther keine Außenwelt mehr besteht – er ist von dieser abgelöst und befindet sich in einem eigenen Kosmos.

Die zweite Strophe zeigt die innere Gefangenschaft des Panthers. Der Panther hat seine natürliche Wesensart verloren. Er ist selbstentfremdet. Dies zeigt sich an dem Zwang des Panthers, immer im Kreis zu gehen und so seinen Kosmos mit Schritten auszufüllen.

Die dritte Strophe bestätigt die äußere und innere Gefangenschaft des Panthers. Doch dann wird ein Moment beschrieben, in dem die kreisenden Schritte des Panthers plötzlich aufhören. Ein Bild von der äußeren Welt gelangt durch seine Augen direkt in sein Herz. (1)

Der deutsche Komponist und Musikpädagoge Karl Marx vertonte 1949 „Der Panther“ und andere Rilke-Gedichte für tiefe Singstimme und Klavier op. 50/1. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Rezeptionen des Gedichts in Musik und Film.

Rainer Maria Rilke um 1913
Rilke um 1913

Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 in Prag, Österreich-Ungarn; † 29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz; eigentlich: René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke) war ein österreichischer Lyriker deutscher und französischer Sprache. Mit seiner in den Neuen Gedichten vollendeten, von der bildenden Kunst beeinflussten Dinglyrik, gilt er als einer der bedeutendsten Dichter der literarischen Moderne. Er war Beeinflusst durch die Philosophen Schopenhauer und vor allem Nietzsche, deren Schriften er früh kennengelernt hatte.

Literaturangaben:

(1) Kih-Seong Kuh: Die Tiersymbolik bei Rainer Maria Rilke. Mit besonderer Berücksichtigung seiner Vorstellung des „Offenen“. Ernst-Reuter-Gesellschaft, Berlin 1967, S. 63 f.

Seite „Der Panther“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. November 2021, 18:17 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Der_Panther&oldid=216912216 (Abgerufen: 28. November 2021, 12:48 UTC)

Seite „Rainer Maria Rilke“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. November 2021, 22:02 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rainer_Maria_Rilke&oldid=217513327 (Abgerufen: 28. November 2021, 13:21 UTC)

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