Samstag, 13. August 2022
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StartKunst & KulturPioniere in Sachen Digitalisierung im Museum

Pioniere in Sachen Digitalisierung im Museum

Mit seinem Digitalisierungsteam sucht das Deutsche Schifffahrtsmuseums (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte in Bremerhaven nach Antworten auf Fragen, die sich viele Museen stellen: Wie kann das Zusammenspiel zwischen historischen Objekten und digitalen Angeboten am besten gelingen? Welche Tools braucht das Museum der Zukunft? Die Methoden, die in den kommenden Jahren am DSM entstehen, sollen zukünftig jedoch nicht nur dort zum Einsatz kommen, sondern auch anderen Museen helfen, attraktive digitale Angebote zu gestalten.

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Das DSM im Jahr 2026 – wie gestaltet sich der Museumsbesuch in der Zukunft? Dr. Dennis Niewerth, Leiter des Teams für wissenschaftsgeleitete Digitalisierung am DSM, sieht vorm geistigen Auge Gäste, die ein Schiffsmodell mit dem Smartphone aufnehmen, es über eine App scannen und ganz nah ans Objekt rücken, um versteckte Fakten aufzuspüren und als Erinnerung sogar ein 3D-Modell drucken. Fachleute und Laien stöbern per Mausklick in weltweit zugänglichen Datenbanken und inspizieren die virtuellen Zwillinge von Galionsfiguren, Fotografien oder Schiffsglocken, die aus Platzmangel derzeit im Depot schlummern, vom heimischen Bildschirm aus. Kurzum: Die Gäste entwickeln Schatzsucherqualitäten und forschen eigenständig zu diversen Fragen rund um ein Exponat.

Verborgene Schätze heben, erfahren und ihnen näherkommen als es der Blick durch die Vitrine bisher zulässt – das macht die Digitalisierung möglich. Dr. Dennis Niewerth und seine neue Abteilung ebnen den Weg für diese Ideen. Bei der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz beantragte das DSM erfolgreich die dafür nötige Finanzierung: Bund und Länder stellen in den nächsten drei Jahren in einem ersten Schritt 1,25 Millionen Euro bereit. Als sogenannter „Sondertatbestand“ stockt das Geld den DSM-Haushalt zweckgebunden auf und verankert die Digitalisierungsstrategie fest in der Infrastruktur. Damit gehört sie nun ebenso fest zum Haus wie beispielsweise das Sammlungsmanagement, die Restaurierung oder die Buchhaltung.

Sechs Stellen entstanden am Haus, eine Professur an der Universität Oldenburg ist ausgeschrieben. „Der Sondertatbestand ist ein großer Erfolg für das DSM“, sagt Niewerth. Dadurch steige das Haus in der deutschen Museumslandschaft zu einem Big Player im Bereich der Digitalisierung auf. Die Vision des Medienwissenschaftlers: Der virtuelle Weg des DSM soll als „Bremerhavener Methode“ in anderen Ausstellungshäusern Schule machen. „Wir arbeiten wo immer möglich mit freier Software – und halten unsere Eigenentwicklungen benutzerfreundlich und niedrigschwellig. Gerade im Bereich der 3D-Erfassung und -Visualisierung entstehen bei uns Lösungen, die weit über Bremerhaven hinaus anwendbar wären.“ Doch bevor die Methode die Grenzen des DSM verlässt, steht das Team vor der Mammutaufgabe, zahlreiche Objekte der eigenen Sammlung zu fotografieren, zu erfassen und erfahrbar zu machen. Mithilfe verschiedener Scantechniken entstehen beispielsweise 3D-Modelle. Diverse Schiffshalbmodelle der Junge Werft stehen der Öffentlichkeit bereits zur Verfügung. Derzeit hat die Erfassung des Bestands der Reederei Norddeutscher Lloyd mit Geschirr, Schiffsmodellen und Reiseequipment Priorität. Zukünftig erarbeiten die Digital-Experten gemeinsam mit den Kuratoren passende virtuelle Pendants zu den analogen Ausstellungen. Die Digital-Kuratorin Isabella Hodgson fungiert dabei als Dolmetscherin, die für analoge Ausstellungsformate das ergänzende virtuelle Pendant sucht.

Die Digitalisierung öffnet online Türen und teilt Wissen. Open Data lautet das grenzenlose Ziel – Forschende und Interessierte sollen Kulturschätze leicht und barrierefrei über weltweit zugängliche Datenbanken finden und ganz individuell erforschen und nutzen. Dabei sei das digitale Objekt eine perfekte Ergänzung zum analogen. Ganz anders als der Philosoph Walter Benjamin, der davon ausging, dass die technische Reproduzierbarkeit die Aura eines Kunstwerkes zerstöre, sieht Niewerth in ihr einen großen Mehrwert: „Wir lassen die Exponate sozusagen von der Leine und verlängern sie.“ Aus Vitrinen und Depots befreit, erzählen sie dann viele Geschichten und nicht mehr nur eine, die gerade zum Bezug der aktuellen Ausstellung passt. Die spannenden neuen Methoden laden dazu ein, unbedingt ins Haus zu kommen und das Museum der Zukunft ganz neu zu erfahren.

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