Samstag, 13. August 2022
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Die Tiefsee: finster und bitterkalt – und doch voller Leben

Die Meeresbiologin und Leiterin zahlreicher Expeditionen Angelika Brandt erforscht die geheimnisvolle Welt der Tiefsee. Sie hat viele faszinierende Entdeckungen gemacht und warnt vor Gefahren für die Biodiversität.

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In der Antarktis war Angelika Brandt zehn Mal mit Forschungsschiffen unterwegs und im Europäischen Nordmeer acht Mal – „immer für mehrere Wochen“, berichtet die Professorin für Marine Zoologie im Gespräch mit der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ). Seit einigen Jahren sei sie mit ihrem Team regelmäßig im Nordwestpazifik unterwegs, um auch dort die Biodiversität der Tiefsee zu erforschen. Die Expeditionen seien die Grundlage für ihre Forschungsarbeit, die zur Entdeckung von Hunderten bisher unbekannter Arten in der Tiefsee führte. Tausende Meter unter der Meeresoberfläche stößt sie auf Borstenwürmer, Hakenrüssler, Furchenfüßer, Seegurken und viele weitere Arten. Bis in Tiefen von 4000 Metern gebe es reiche Lebensgemeinschaften und die Artenzahl steige an. In Tiefen ab 6000 Meter nehme die Zahl ab, dafür seien die vertretenen Arten oft riesengroß. Die internationalen Besatzungen der Forschungsschiffe arbeiteten gut zusammen – und das rund um die Uhr, berichtet Brandt. Meistens habe man während der Expeditionen keine oder nur eine sehr schlechte Internet-Verbindung: „Aber fünf Wochen ohne Internet sind gar nicht so übel.“

Ihre Lieblingsart seien Meeresasseln, sagt Angelika Brandt. Sie fänden sich sogar noch in den tiefsten Ozeangräben, also mehr als zehn Kilometer unter dem Meeresspiegel. Einer ihrer besonders interessanten Funde im Nordwestpazifik sei ein Urmollusk, ein lebendes Fossil.

Im letzten Jahr hat Angelika Brandt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus rund vierzig Ländern eine erste Bestandsaufnahme der biologischen Vielfalt im Nordwestpazifik veröffentlicht. Das sei einer der fruchtbarsten, nährstoffreichsten und artenreichsten Ozeane der Welt. Auch dort habe sich die Biodiversität in den vergangenen Jahrzehnten verändert. In den Ozeanen führe vor allem der Klimawandel zu großen Umbrüchen. „Das Wasser wird wärmer, Eisschelfe schmelzen, der Meeresspiegel steigt und Meeresströmungen verändern sich“, berichtet Angelika Brandt. All dies habe Konsequenzen für das Nahrungsgefüge und die Lebenswelt im Ozean. Deshalb habe man in der gerade beginnenden UN-Dekade der Ozeanforschung einen besonderen Blick auf die Ökosystemfunktionen der marinen Biodiversität, auch in ihrer Bedeutung für den Menschen. Nur so könne man Gefahren abwenden. Angelika Brandt sieht dabei ein großes Risiko im Tiefseebergbau, der sich aber kaum noch verhindern lasse. Dabei würden mit dem Sediment, in dem wertvolle Rohstoffe lagern, großflächig auch viele Arten entnommen und Lebensgemeinschaften zerstört. Es wäre besser, vieles, was derzeit erwogen wird, gar nicht erst zuzulassen, sagt die engagierte Wissenschaftlerin. Wenn es doch stattfinde, sei ein sehr sorgfältiges biologisches Monitoring unverzichtbar.
Das vollständige Interview finden Sie auf www.gdnae.de.

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