Freitag, 7. Oktober 2022
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„Hört auf, das Klima für Katastrophen verantwortlich zu machen“

KLIMAFORSCHERN PLATZT DER KRAGEN: 
Auch schlechter Schutz macht
 für Wetterkatastrophen anfällig

Extremwetter führt weltweit regelmäßig zu Katastrophen. Mittlerweile ist es üblich geworden, die Schuld für die Schäden umgehend beim Klimawandel zu verorten. So passierte es zum Beispiel bei der westdeutschen Hochwasserkatastrophe im Sommer 2021, als einzelne medienpräsente Wissenschaftler, Politiker und Journalisten der Öffentlichkeit einem Automatismus folgende, diese Erklärung präsentierten. Später wurde jeodoch klar, dass es auch in der Vergangenheit regelmäßig ähnliche schlimme Hochwässer in der Region gegeben hat und die größten Mängel in Wirklichkeit beim unzureichenden Katastrophenschutz lagen. So lenkten Politiker durch die Klimaerklärung letztendlich von ihren eigenen Planungsversäumnissen ab. Die Klimaschau berichtete in Ausgabe 70.

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Wissenschaftler haben nun genug von dieser Instrumentalisierung. Sie fordern: „Hört auf, das Klima für Katastrophen verantwortlich zu machen“. Die Botschaft steht sogar prominent im Titel eines neuen Fachartikels, verfasst von einer dreiköpfigen Forschergruppe um Emmanuel Raju vom „Copenhagen Centre for Disaster Research“. Als Autorin mit dabei ist auch die deutsche Attributionsforscherin Friederike Otto.

Die Autoren weisen darauf hin, dass Extremwetter zur Katastrophe wird, wenn die Gesellschaft zu wenig auf die entfesselten Naturgewalten vorbereitet. Dadurch machen sich die Menschen unnötig verwundbar. Als Beispiel nennt die Wissenschaftlergruppe ungeplante Urbanisierungsprozesse und schlechterer Schutz ärmerer Bevölkerungsschichten. Die Natur oder das Klima für Katastrophen verantwortlich zu machen, lenke von der wahren Verantwortung ab.

Politiker rechtfertigen damit einschränkende Maßnahmen NACH den Vorfällen, obwohl sie in Wirklichkeit VOR der Katastrophe mit gesetzgeberischen Vorkehrungen hätten tätig werden müssen. Von pauschalen Schuldzuweisungen an Natur oder Klima solle abgesehen werden.

Förderlicher sei eine Auseinandersetzung mit konkreten Defiziten, um in Zukunft Schäden proaktiv bereits im Vorfeld reduzieren zu können. Die Schutzmaßnahmen müssten vor Ort gelöst werden. Und sie sollten dabei für alle Teile der Gesellschaft gelten, nicht nur für die priveligierten Schichten.

Die Arbeit erschien im Januar 2022 im Wissenschaftsblatt „Nature Communications Earth & Environment“. In der Tageszeitung „Die Welt“ berichtete auch Axel Bojanowski über die neue Studie.

Dieser Artikel ist ein Teil der Folge 92 der Klimaschau von Dr. Sebastian Lüning. Die Klimaschau informiert über Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende. Weitere Themen im Video: Deutschland-Temperaturen 2021 waren zu kühl, Forscher-Streit zum Jetstream.

LINKS:
Raju et al. 2022: https://www.nature.com/articles/s43247-021-00332-2
Bericht in der Welt: https://www.welt.de/wissenschaft/plus236272414/Klimawandel-Macht-nicht-das-Klima-fuer-Katastrophen-verantwortlich.html

Dr. Sebastian Lüninghttp://www.luening.info/
Dr. Sebastian Lüning ist habilitierter Geowissenschafler und publiziert regelmäßig in klimawissenschaftlichen Fachzeitschriften. Als Gutachter wirkte er an den IPCC-Berichten SR15, SROCC und AR6 mit. Zusammen mit Fritz Vahrenholt schrieb er die Bücher „Unerwünschte Wahrheiten: Was Sie über den Klimawandel wissen sollten“ und „Unanfechtbar: Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz im Faktencheck”. Auf Youtube präsentiert Lüning zweimal wöchentlich die Nachrichtensendung „Klimaschau“.

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