Samstag, 29. Januar 2022
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Sensationeller Fund im Leipziger Auwald

Extrem seltene Insektenart während einer Exkursion entdeckt

Forschende und Biologiestudierende der Universität Leipzig haben bei einer zoologischen Freilandexkursion im Leipziger Auwald ein extrem seltenes Insekt entdeckt, den Mückenhaft (Bittacus hageni). Gleich mehrere Exemplare gingen ihnen im Blätterdach des Leipziger Auwalds ins Netz. Diese Art von Schnabelfliegen ist in Europa nur an wenigen Stellen zu finden. In Deutschland galt sie bis 2003 als ausgestorben. Der Fund unterstreicht die Bedeutung des Leipziger Auwaldes als einzigartigen aber bedrohten Lebensraum. Er zeigt aber auch, welche wertvollen Entdeckungen durch Studentenexkursionen möglich werden.

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Exkursionsleiterin Lisa Hahn, Doktorandin am Institut für Biologie, und ihre Kollegen haben zu dem Fund ein Paper verfasst, das in der Dezemberausgabe der Zeitschrift „Entomologische Nachrichten und Berichte“ erschienen ist.

Das Faszinierende an Naturwissenschaften – und insbesondere an der Biologie – ist, dass es immer wieder Neues und Unerwartetes zu entdecken gibt. Der im Juli dieses Jahres gefundene Mückenhaft ist eine nicht mehr als Fünf-Cent große Schnabelfliege, die mit ihren langen Beinen an eine Schnake erinnert. Nach seinem Erstfund Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland galt der Mückenhaft für über 130 Jahre ausgestorben, bis ihn ein Göttinger Zoologe am Rand des Harzes 2003 wiederentdeckte.

Der erneute Fund von Hagens Mückenhaft ist nicht nur ein absolut seltenes Ereignis, sondern auch ein Erstnachweis für den östlichen Teil Deutschlands. Eine Studentin der Universität Leipzig entdeckte das Tier ohne zu wissen, was sie Kostbares in den Händen hielt. „Als ich sah, was die Studentin gefunden hatte, war mir gleich klar, dass es sich um etwas ganz Besonderes handeln musste und schickte sofort Bilder an meine Kollegen“, erzählt Exkursionsleiterin Hahn.

Ihr gelang es dann einige Tage später, bei einer intensiven Nachsuche noch weitere Exemplare der Art zu finden. Auch Dr. Detlef Bernhard, Insektenexperte und wissenschaftlicher Mitarbeiter der von Prof. Dr. Sebastian Steinfartz geführten Arbeitsgruppe Molekulare Evolution und Systematik der Tiere an der Universität Leipzig, war beeindruckt, als er die taxonomische Ersteinschätzung der Kollegin unter dem Binokular bestätigen konnte. „Es ist sehr schwierig und ein glücklicher Zufall, diese Art nachzuweisen, da sie extrem versteckt lebt und nur vereinzelt vorzukommen scheint“, betont Dr. Bernhard.

Allerdings ist der Leipziger Auwald auch ein ganz besonderer Ort, an dem viele Insektenarten vorkommen, darunter auch viele seltene. Aus diesem Grund erforscht die Universität Leipzig in Verbund mit dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) hier auch das Vorkommen und die Verbreitung bedrohter Insektenarten. So analysiert Lisa Hahn im Rahmen ihrer Promotion die Diversität die über 500 Käferarten, die am Boden aber auch im Kronenraum der Auwaldbäume vorkommen. Dabei setzen die Forschenden den 40 Meter hohen Auwaldkran des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung und der Universität Leipzig ein. „Dieser Fund bestätigt auch die herausragende Bedeutung des Leipziger Auwalds als Refugium für bedrohte Arten und besonderen Lebensraum in Europa, den es unbedingt in seiner jetzigen Größe und Ausprägung zu erhalten gilt“, erläutert Dr. Bernhard weiter.

Für Studierende bietet der Auwald nicht nur die Chance, einen spannenden Einblick in die Diversität der Insekten und Forschungsaktivitäten zu erleben, sondern auch während der Freilandexkursionen die Arten in ihrem natürlichen Habitat zu erleben. „Da es innerhalb der Universität und auch der Fakultät für uns immer schwieriger wird, Mittel für Freilandexkursionen zu erhalten, freut mich dieser Fund ganz besonders, zeigt es doch unseren Studierenden hautnah, wie spannend und faszinierend Biologie sein kann und wie wichtig es ist, raus in die Natur zu gehen und nicht nur noch vor dem Bildschirm oder im Labor zu sitzen“, erklärt Prof. Dr. Steinfartz.

Der Fund wird auch den ersten genetischen Fingerabdruck der Art liefern, der dann diese Art auch in DNA-Datenbanken für die Forschung zugänglich machen wird. Hierzu wird eine in der Arbeitsgruppe von Prof. Steinfartz bereits etablierte Methode angewendet, bei der die untersuchten Tiere nicht beschädigt werden und im Anschluss als Belegexemplar in einer öffentlichen Sammlung verbleiben können.

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