Freitag, 12. August 2022
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Totgesagte Haie leben länger

Kürzlich berichtetes Massenaussterben von Tiefseehaien vor 19 Millionen Jahren fand offenbar doch nicht statt

Haie weisen eine über 400 Millionen Jahre andauernde Erfolgsgeschichte auf und trotzten bislang allen großen Massenaussterbeereignissen der Erdgeschichte. Zu den einschneidenden Umweltkatastrophen an der Perm-Trias-Grenze (vor ca. 252 Millionen Jahren) und an der Kreide-Paläogen-Grenze (vor 66 Millionen Jahren) wurde nun ein höchst dramatisches Aussterbeereignis berichtet: Zwei US-Wissenschafter schrieben jüngst im Fachjournal „Science“ über eine gravierende Abnahme der Haidiversität vor 19 Millionen Jahren. Demnach war die Häufigkeit von Tiefseehaien um über 90 Prozent zurückgegangen.

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Die zugrundeliegenden Daten hat ein internationales Team aus Forschern und Forschern unter Leitung des Naturhistorischen Museums in Wien (NHMW) und der Beteiligung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) nun neu interpretiert. „Aufgrund der relativen Stabilität der Tiefsee bezüglich kurzzeitiger Umweltveränderungen schien dieser berichtete enorme Rückgang der Tiefseehaie alarmierend und überraschend zugleich“, so Dr. Thomas A. Neubauer vom Institut für Tierökologie und Spezielle Zoologie der JLU und Mitautor der Studie. PD Dr. Mathias Harzhauser vom NHMW erläutert: „In mehreren vorangegangen Projekten in Italien, Griechenland, der Türkei, Tansania, Indien, Sri Lanka und dem Oman haben wir gleich alte Meeresablagerungen untersucht. Nirgends gab es Hinweise auf ein Hai-Aussterbeereignis vor 19 Millionen Jahren.“

Haie doch nicht massenhaft gestorben?

Dass ihre Ergebnisse von denen der US-Wissenschafter abweichen, erklärt das Team in ihrem Kommentar zur Studie, der ebenfalls in „Science“ veröffentlicht wurde, so: Die herangezogenen Daten beruhten auf Haischuppen aus wenigen Gramm Sediment aus zwei Tiefseebohrkernen aus dem Nord- und dem Südpazifik, von denen aber nur letzterer das entsprechende Zeitintervall abdeckt. Die Forscher übersahen dabei, dass der Eintrag an Sand und Schlamm im südlichen Pazifik genau zu der Zeit des postulierten Ereignisses sprunghaft anstieg. Daher waren in der gleichen Probenmenge plötzlich viel weniger Fossilien zu finden, was fälschlich als dramatisches Aussterbeereignis interpretiert wurde. „Das berichtete Aussterbeereignis ist schlichtweg ein Artefakt der Probennahme. Die relativ geringe Menge an Sediment, die untersucht wurde, reicht bei einer so stark verdünnten Fossilkonzentration nicht aus, um Rückschlüsse zu liefern“, so Studienleiterin Iris Feichtinger vom NHMW.

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